Mittwoch, 30. Juli 2014

Axii XI

Die Dusonstadt leuchtete in allen Farben. Eine Fähre im Landeanflug. Es waren orbitale Schrottsammler. Sie kehrten jeden Abend zurück und gingen durch die Straßen des Sektors in dem die Baustelle des Raumhafens stand. Sie gingen in die Kansas-Bar, um noch ein Bier zu trinken oder auch zwei und dann gingen sie nach Hause und legten sich ins Bett, weil sie am nächsten Tag wieder die Erde verlassen würden, um knapp über ihren Atmosphären Schrott zu sammeln.
Axii hatte einmal eine Dokumentation im Netz gesehen. Die Schrottsammler hatten ihre Weltraum-Motorräder bestiegen und sind durch die Frachtluke in das All hinaus geschwebt. Kleinere Teile fingen sie mit Magneten ein oder sogar mit Netzen, größere Teile schubsten sie einfach zur Erde zurück wo sie dann in der Atmosphäre verglühten. Ganz große Teile brachten sie an Bord ihres Mutterschiffes und zerlegten sie dort – verwertbares nahmen sie mit, den Rest überließen sie wieder der Atmosphäre.
Er ging die Treppe herunter. Unten waren die Dünen, die mit Gräsern überwachsen waren und erst dahinter, hinter vielen von diesen Dünen, begann das Meer. Er setzte sich auf die unterste Stufe, zog sein linkes Bein an seine Brust und legte seinen Kopf auf das Knie. Der Wind wehte sehr schwach heute. Aber auf der anderen Seite der Bucht wurde gefeiert – Feuerwerk explodierte über dem Strand in vielen Farben. Dahinter türmten sich die leuchtenden Ebenen der Stadt in den Himmel auf und noch eine Fähre tauchte aus dem Nichts auf.
Irgendwo dort kletterte Alicen zusammen mit den anderen Wandläufern durch die Strukturen und versuchten nicht entdeckt zu werden. Oder vielleicht ließen sie es drauf ankommen.
Es roch nach Schnee. Letztes Jahr gab es keinen, vielleicht dieses Jahr. Damals, als Axii gerade erst in die Schule kam, hatte es jedes Jahr geschneit. Und der Schnee blieb manchmal eine Woche lang liegen oder mindestens einige Tage. Seit einigen Jahren roch es nur manchmal danach und nicht mehr. Axii konnte sich nicht einmal erinnern, wann ihm das letzte Mal so richtig kalt gewesen ist.
 „Axii?“
Axii drehte sich um. Alicen stand oben auf der Treppe und grinste.
 „Was machst du denn hier?“, fragte er.
  „Und du?“, fragte Axii zurück.
Alicen zuckte mit den Schultern.
 „Hast du Zigaretten?“
Axii schüttelte den Kopf.
  „Warum bist du nicht bei den Wandläufern?“
 „Sie wollten mich noch nicht mitnehmen“, gab Alicen zu. „Ich glaube, sie trauen mir noch nicht besonders.“
Axii stand auf und stieg die Treppe hinauf.
 „Warum bist du noch so spät draußen?“, fragte Alicen.
  „Ich wollte mal sehen was los ist.“
Alicen schaute sich um. Hier standen nur einige alte Ruinen aus der alten Zeit und eine Fabrik für Färbemittel – das einzige Gebäude das beleuchtet war.
 „Jah, nicht übel.“
  „Halt die Klappe“, sagte Axii.
Alicen grinste aber Axii grinste nicht. Er ging an Alicen vorbei.
 „Hab keine Lust nach Hause zu gehen“, sagte er.
Sie gingen über eine Straße mit Schlaglöchern und mit viel Geröll und sagten nichts. Fledermäuse schwirrten knapp über ihren Köpfen hinweg. Ein ziemlich krank-aussehender Mann ging an ihnen vorbei ohne sie zu beachten.
 „Der sah ja übel aus“, sagte Alicen.
Axii sah ihm nach.
  „Ja.“
 „Sag mal, willst du nicht mal mit mir mitkommen – zu den Waldläufern?“
  „Hm? Ich darf ja nicht.“
 „Du darfst nur nicht in das HQ aber ich denke, sie werden nichts dagegen haben, wenn du uns zuschaust, wenn wir Strukturläufe machen.“
Axii lächelte.
  „Klar!“
Alicen verstrubbelte Axiis Haare.

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