Dienstag, 27. Mai 2014
DS AXII 833 - noch was
Axii blickte in die
Kamera. Er zeigte Alicen den Mittelfinger. Er lachte leise.
„Gibs mir“, sagte
Alicen.
Axii streckte ihm die
Zunge raus.
„Oh-ho-ho, Axii, das
hat weh getan“, lachte Alicen.
Axii schubste Alicens
Hand mit der Kamera weg. Kurz war Fanka zu sehen und dann wieder
Axii.
„Komm, Axii – noch
einmal.“
Axii sah aus dem Fenster.
Die Bahn ratterte am Flug- und Raumhafen vorbei. Eine Baustelle, die
erst in Jahren fertig werden sollte. Früher gab es sehr viel mehr
Flugzeuge aber heute gab es keine anderen Städte in die es sich
lohnen würde zu fliegen. Abgesehen von der Dusonstadt kannte Axii
nur noch Bavor im Süden und Lalande im Osten. Wobei Lalande schon
fast zur Dusonstadt gehörte.
„Axii, mach mal so“,
sagte Alicen. Er ließ seine Zunge zwischen Zeige- und Mittelfinger
vor und zurück bewegen, wie eine Schlange.
Axii grinste. Er machte
es ihm nach aber es war zu peinlich. Er schaute wieder weg.
„Ihr seid gestört“,
sagte Fanka.
„Nur wenn uns
langweilig ist“, sagte Alicen.
Er stupste Axii an und
machte es noch mal.
„Mach mal, Axii!“
Axii machte es ihm nach.
Sie mussten alle lachen. Die zwei Frauen im Abteil neben an schauten
ihnen halb grinsend und halb verwirrt zu.
Sie stiegen in Encea aus.
Das war der Geschäfts-Sektor der Stadt. Hier ragten die
Wolkenkratzer tatsächlich bis in die Wolken hoch. Durch das viele
spiegelnde Glas an den Fasaden konnte es unten manchmal fast doppelt
so warm werden, wie es tatsächlich war. Daher wurden die Winde, die
vom Meer kamen, so umgeleitet, dass sie durch die Straßen wehten.
Die Drei gingen mit
windzerzausten Haaren zwischen den Türmen. Sie befanden sich auf der
obersten Etage, die nur für Fußgänger bestimmt war. Unter ihnen
gab es noch 16 andere Ebenen für den Autoverkehr, für die
verschiedenen Bahnen und ganz unten gab es Kanäle für Tanker, die
ihre Waren in unterirdischen Seehäfen ablieferten.
Es gab Stellen an denen
man von einer Etage in die darunter klettern konnte aber das war
strengstens verboten.
„Irgendwann kletter
ich von einer Etage in die nächste“, sagte Alicen. „Und ihr
filmt das.“
„Klar“, sagte
Fanka, „wir filmen dann, wie du vom Capyman abgeführt wirst.“
Alicen meinte das ernst.
Er beachtete sie gar nicht.
Axii schaute nach unten.
100 Meter unter ihnen gabelte sich ein Kanal.
Sie fuhren mit einer
Rolltreppe in die Etagen darunter. Hier hing ein Plaza zwischen 4
Wolkenkratzern in der Luft. Sie setzten sich in ein Eis-Cafe.
„Dort gibt es diese
Netze“, sagte Alicen in Gedanken. „Wenn ich fallen sollte, falle
ich in so ein Netz.“
„Hast du schon
gesehen, dass diese Netze aus richtigen Tauen bestehen?“, fragte
Fanka. „Ich glaube sogar, dass die aus Metall sind. Wenn du da
drauf knallst, bist du genau so tot, als wenn du auf dem Kanalwasser
aufkommst.“
Alicen machte eine
abwinkende Handbewegung.
„Ich falle ja nicht
aus höchster Höhe darauf. Ich denke, ich schaffe es an den
Flechtranken so tief herunter zu klettern, dass ich auf das Netz
springen kann.“
Fanka schüttelte den
Kopf.
„Also, ich will nicht
dabei sein.“
„Musst du ja nicht.
Axii kommt mit.“
Axii nickte.
„Wenn er runterfällt,
darfst du die Rettungsstelle anrufen, Axii“, sagte Fanka.
Axii schaute auf seine
Schuhe. Er bückte sich, um seinen Schnürrsenkel fester zu zu
machen.
„Wenn ich es schaffe“,
sagte Alicen, „werde ich vielleicht bei den WandLäufern
aufgenommen.“
„Glaubst du, die
nehmen dich auf, nur weil du da runter geklettert bist?“ Fanka
schüttelte den Kopf. Ihre Strähnen fielen in ihr Eis. „Mist!“
„Nein“, sagte
Alicen, „aber sie haben dann immerhin von mir gehört.“
„Willst du das Video
im Netz stellen?“
Alicen zuckte mit den
Schultern.
„Oh-man!
Bist-du-ein-Idi-ot!“
„Ach, fick dich,
Fanka, okay?“
„Klar“, sagte sie
und stand auf. „Aber ich will nix mit zu tun haben.“
Axii zuckte mit den
Schultern als sie weg war. Alicen kaute auf seiner Lippe.
„Scheiße“, sagte
er. „Ich-bin-ein-Idi-ot.“
Axii grinste.
„Morgen kackt sie
drauf“, sagte er.
„Ja.“
Sie ließen das Geld da
und gingen auch.
Die Sonne versank im
lavaroten Himmel. Die Stadt glühte.
DS AXII 833 - Ruinenspringen
Erst kannst du einwenig
leben aber irgendwann bist du weg.
„Das ist ein Fluss“,
murmelte Axii.
Es ist ein Fluss. Du bist
nur an einer Stelle – so klein wie ein Atom und dann bist du weg.
Du bist irgendwann weg. Geh mir also aus den Augen. Hau ab, du kannst
tun was du willst.
„Nein“, keuchte Axii
und wachte ganz auf.
Alicen wartete schon vor
dem Tor.
„Warum trägst du
immer diese Jacke?“, fragte er.
Axii zuckte mit den
Schultern.
„Lass uns zum Strand
runter fahren“, sagte Alicen.
„Was willst du da?“
„Da sind die
versunkenen Ruinen, wo die Taucherschule ist – wir springen von den
Ruinen ins Wasser.“
Axii grinste. „Du bist
bescheuert.“
„Nein, ich bin
fantastisch“, sagte Aicen, „so fantastisch, wie kaum jemand
anderes!“ Er schlug sich mit den Händen auf die Brust. „Siehst
du? Siehst du, wie fantastisch ich bin?“
Axii ging zum Bahnhof
runter.
„He! Warte! Sag, dass
ich fantastisch bin“, rief Alicen ihm nach.
„Du bist
fantastisch“, sagte Axii gelangweilt.
Der Bahnhof thronte auf
einer alten Ruine aus der alten Zeit. Sie stiegen in einen Aufzug und
kamen auf den Gleisen raus.
„Fanka hat gefragt, ob
sie mit darf“, sagte Alicen.
„Und?“, fragte
Axii.
„Ich habe ja gesagt.“
„Gut. Wo treffen wir
sie?“
„Tja“, sagte Alicen,
„ich glaube, am Strand, glaube ich.“
Die Magnetbahn kam. Sie
stiegen ein.
Axii schüttelte das
Feuerzeug in seiner Faust. Er blieb stehen, um sich die Zigarette in
seinen Lippen an zu machen. Dann pustete er den Rauch in die Luft.
„Willst du auch?“,
fragte er Alicen.
„Quatsch, ich rauche
doch gar nicht.“
Axii schubste ihn.
„Gestern hast du
geraucht.“
Alicen lachte künstlich.
„Wenn ich rauchen
würde, wäre ich nicht so fantastisch, du Ratte.“
„Oh man, nennmich
nicht immer Ratte.“
Alicen lachte echt.
„Warum? Du siehst
manchmal wie eine aus – wenn deine Ohren zwischen deinen Haaren
heraus gucken.“
Axii patschte sich seine
Haare über die Ohren und Alicen lachte noch mehr. Axii schubste ihn
noch einmal.
„Du siehst eher aus
wie eine Maus aber du willst bestimmt nicht, dass ich dich Maus
nenne, oder?“
„Nein!“
Fanka kam ihnen entgegen.
„Was ist?“, fragte
sie.
„Wir gehen von Ruinen
runter springen, kommst du mit?“, fragte Alicen.
Fanke sah sie an, als
seien sie nicht ganz richtig im Kopf.
„Ehrlich“, sagte
Alicen.
„Na schön, ich schau
euch zu“, sagte sie.
Zu dritt gingen sie zum
Strand runter und dann am Ufer entlang. Die Sonne brannte auf ihre
Köpfe herab.
Da kamen sie an einem
Eisstand vorbei. Den Eisverkäufer kannten sie schon vom letzten Mal.
„Was bekommt ihr?“
„Drei Pingus“,
sagte Axii. Ein Pingu war Eis der Ähnlichkeit mit einem Pinguin
hatte.
„Hab ich nicht“,
sagte der Eisverkäufer, „wie wäre es mit Joghurt-Apfel?“
Axii schüttelte den
Kopf. Joghurt-Apfel schmeckte zwar genauso wie ein Pingu aber man
konnte keinen Pinguin-Kopf abbeisen oder an den Flügeln knabbern.
„Ne, lieber Pingus“,
sagte er.
„Hab ich nicht.“
Axii drehte den
Dyson-Schein in seinen Händen.
„Joghurt-Apfel
schmeckt genauso“, sagte der Eisverkäufer. „Oder nimm etwas
anderes.“
„Ja“, sagte Axii.
Der Eisverkäufer
wartete.
„Und? Was bekommst du
jetzt?“
„Hm, drei Pingus.“
Der Eisverkäufer
verdrehte die Augen.
„Hau ab“, sagte er.
Mit drei blöden
Joghurt-Äpfeln ging es weiter bis zu einer Stelle in der eine alte
Straße im Meer versank. Man konnte sie unter Wasser noch einige
Meter weit sehen, bis sie im tieferen Wasser verschwand. Und dort
ragten alte Reihenhäuser aus dem Wasser. Die Schrägdächer waren
zum größten Teil eingestürzt und überall klebten grüne Algen.
„Da wollt ihr echt
rüber?“, fragte Fanka.
Alicen zog sich die
Schuhe aus und sprang in die Wellen rein. Axii und Fanka gingen über
eine breite Mauer, die ein Stück weiter aus dem Wasser ragte zu den
Ruinen. Über eine rostige Feuerleiter kletterten sie auf das Dach.
Alicen kam pitschnass von der anderen Seite herauf – dort reichte
der Wasserspiegel bis zur obersten Etage und er konnte sich aufs Dach
ziehen.
„Ich springe von da
oben“, rief er und zeigte auf die höchste Stelle die das
Dachgerüst bot. Er kletterte auch sofort hinauf. Axii folgte ihm
vorsichtig.
„Komm Fanka“, sagte
er.
„Ne, ich – macht
mal.“
Alicen sprang runter. Wie
eine Nadel spießte er sich ins Wasser und verschwand unter tausenden
von Bläschen und tauchte dann nach einer Weile wieder auf und
grinste zu ihnen hoch.
„Du bist dran“, rief
er zu Axii.
Axii zog sich seine Jacke
und die Schuhe aus und sprang auch. Und Fanka ließ sich schließlich
auch ins Wasser gleiten. Sie legte sich auf den Rücken und ließ
sich treiben. Axii und Alicen kletterten wieder auf das Dachgerüst
um noch einmal zu springen.
„Lets go to the Klo“,
summte Fanka.
Alicen landete nicht weit
von ihr ins Wasser.
„Ah!“
Axii rutschte aus und
fiel ins Innere der Ruine. Alicen verdrehte die Augen.
„War ja klar.“
Fanka schwam zurück und
kletterte aus dem Wasser. Sie schaute zu Axii runter. Er kam grinsend
zu ihr geschwommen.
„Alles okay?“,
fragte sie. Er nickte.
Alicen kletterte wieder
hinauf, um zu springen.
„Ich frage mich
manchmal, wer in diesen Ruinen gelebt hatte“, sagte Fanka und half
Axii aus dem Wasser.
„Die Deutschen“,
sagte Axii.
„Wer?“
Axii zuckte mit den
Schultern.
„Die Deutschen.“
„Wer soll das sein?“
„Ich glaube, das
waren Menschen und... - sahen aus wie Industrie-Schweine – diese
lilanen.“
„Du labberst manchmal
ein Schwachsinn.“
Axii legte sich auf einen
Balken, um sich in der Sonne zu trocknen.
„Das habe ich im Netz
gelesen“, sagte er. „Die waren ganz hell – nicht alle, aber die
meisten.“
„Ich habe mal gehört,
dass die Menschen früher immer im Haus geblieben sind und deswegen
so hell waren, weil sie nie in die Sonne gingen“, sagte Fanka.
Alicen setzte sich neben
Axii.
„Worüber redet ihr?“
„Über die Menschen
aus der alten Zeit.“
Alicen zuckte mit den
Schultern.
„Waren nicht anders
als wir.“
„Aber sie waren alle
so hell“, sagte Fanka.
„Na und?“
„Das ist doch
komisch“, sagte sie.
Alicen lachte.
„Ja, sie waren zum
lachen. Genau wie wir.“
Noch immer etwas nass
gingen die Drei über die Asakusa-Brücke. Unter ihnen floss der
Rhein. Neben ihnen rasten Autos in die eine Richtung und auf der
anderen Bahn in die andere Richtung. Über ihnen summte eine
Magnetbahn vorbei. Alicen filmte sie.
„Ich glaube, hier
lebten die Niderländer und nicht die Deutschen aber ich weiß es
nicht genau“, sagte Alicen. Sie hatten sich die ganze Zeit darüber
unterhalten. Einmal wollten sie in ein Museum gehen um es genauer zu
erfahren aber zuerst mussten sie heraus finden wo ein Museum war.
„Ist ja auch egal“,
sagte Fanka. „Wohin gehen wir eigentlich?“
Axii zuckte mit den
Schultern.
„Lasst uns mit der
Bahn ins Outland fahren“, schlug Alicen vor.
„Das dauert mir zu
lange“, sagte Fanka. „Das dauert Stunden.“
„Na und?“, sagte
Alicen. „Sollte es uns langweilig werden, steigen wir einfach aus.“
Fanka überlegte.
„Von mir aus“, sagte
Axii.
„Okay“, sagte
Fanka.
Alicen seufzte. „Ne,
ich hab keine Lust.“
Nachmittag. Draußen
knapp 25 Grad. Die Drei saßen in einem Abteil. Der Zug fuhr die
große Runde durch die Stadt. Alicen filmte Axii.
Sonntag, 25. Mai 2014
833 Axii (der Russe)
JANUAR 833
Axii (12) wartete auf
Alicen (15). Er schaute hin und wieder die Straße runter, ob er kam.
Wie immer ließ er sich Zeit. Er kramte die Schachtel Zigaretten aus
seiner Tasche, die er auf dem Schrottplatz vor einer Woche gefunden
hatte. „Parlament“, stand auf der Schachtel. Axii hatte sie noch
nie gesehen. Er zündete sich eine an. Das Feuerzeug hatte kaum noch
Flame. Er schüttelte es.
Alicen kam die Straße
entlang zu ihm hoch. Im Wald bewegtwn sich drei Riesenhirsche durch
die Schatten. Sie stampften durch das Unterholz und verschwanden
hinter einer zugewachsenen Ruine.
„Hey, Axii“, sagte
Alicen.
Axii stand auf und
streckte seinem Freund die Hand aus. Sie berührten sich mit den
Fingerspitzen und machten sich auf dem Weg. Entlang am Wald verlief
ein Schotterweg und endete irgendwann bei einem Spielplatz in der
Nähe des Feuerwehr-Landeplatzes. Dorhin gingen sie.
„Hast du eine für
mich?“, fragte Alicen. Axii gab ihm die Schachtel, die er immer
noch in der Hand hatte.
„Seit wann rauchst
du?“, fragte Axii.
„Seit keine Ahnung
wann – machen wir heute wieder Fotos?“
Axii zuckte mit den
Schultern.
„Alles klar“, sagte
Alicen. Er ließ seinen Rucksack von der Schulter hängen, machte den
Reisverschluss auf und holte seine Kamera heraus. „Ich wollte noch
einige Fotos mit der Knarre machen, hast du Lust?“
„Okay“, sagte Axii.
Alicen machte die Kamera
an und begann zu filmen. Erst den Wald, den Himmel und dann Axii, der
erst nichts davon merkte.
„Du hast dir deine
Haare selbst geschnitten“, sagte Alicen.
Axii grinste.
„Hab ich nicht und hör
auf mich aufzunehmen!“
Der Schotterweg hörte
auf. Sie standen auf dem Spielplatz.
„Axii? Komm schon –
du hast dir deine Haare selbst abgesäbelt.“
Axii seufzte.
„Was machen wir
heute?“, fragte er.
„Du nimmst die Knarre
und tust so, als wolltest du dir in den Kopf schießen.“
Axii verdrehte die Augen.
Er ging zu einer Sitzbank am Waldrand. Da stand ein Mülleimer der
nie geleert wurde. Dort hatten sie die Knarre versteckt. Er nahm sie
raus.
„Yeah!“, rief
Alicen.
Axii hielt sich die Waffe
an den Kopf. Alicen drückte den Auslöser halb herunter. Wind kam
auf und Axiis langes Haar kam in Bewegung, als Alicen abdrückte.
„Zack!“, rief er.
„Leg dich mal auf den Rasen!“
Axii ließ sich ins hohe
Gras fallen. Alicen stand über ihm.
„Halt die Knarre an
deinen Kopf!“
Axii drückte die Mündung
gegen seine Stirn. Alicen drückte den Auslöser.
„Mist, genial, das
sieht echt psycho aus!“
Axii streckte ihm die
Zunge entgegen und er drückte wieder ab. Dann stampfte Alicen mit
seinem Fuß Axii leicht auf den Bauch. Er krümmte sich erschrocken
und setzte sich auf. Alicen lachte, Axii auch.
„Komm mit“, sagte
Alicen plötzlich. Er rannte zur Rutsche auf dem Spielplatz. „Leg
dich mal ganz verkrüpelt hier hin!“
„Wie?!“
„Na, so, als wärst du
da runtergestürzt – wart ma, gib mir mal die Knarre, ich lege sie
in deine Nähe und- ….“
„He!“
Ein Polizist kam über
den Landeplatz auf sie zu.
„Was für einen
verdammten Mist macht ihr da?“
Die beiden rannten los.
„Wartet doch!“
Axii sprang über einen
niedrigen Busch und rannte zwischen den Bäumen tiefer in den Wald
hinein.Irgendwo in der Nähe hörte er seinen Freund schnaufen.
„Bist du da?“,
schrie er ohne stehen zu bleiben.
„Renn weiter“, kam
es von Alicen zurück.
Axii stolperte und
stürzte. Alicen fiel fast über ihn drüber. Er zog ihn stattdessen
wieder auf die Beine.
„Weiter, weiter!“
Axii rannte.
Die beiden kamen an einer
Schienen-Straße zum Stehen. Axii ließ sich auf die Knie fallen und
keuchte.
„Wenn-“, fing Alicen
an, musste aber auch erst mal Luft holen. „Wenn der Capymann uns
mit der Knarre erwischt hätte, wäre ich dran.“
„Glaubst du, er hat
Fotos von uns gemacht?“, fragte Axii.
Alicen setzte sich auf
den Boden.
„Mist,erzähl nicht so
einen Dreck!“
„Aber vielleicht
hatte er eine Kamera in seiner Brille gehabt.“
Alicen boxte Axii in die
Schulter.
„Au!“
„Gib mir das Ding“,
sagte er. Axii warf ihm die Waffe vor die Füße.
Er hob sie auf,
betrachtete sie noch einmal und warf sie dann in den Wald hinein.
„Dann komme ich ins
Gefängnis, du Miststück.“
Axii zuckte mit den
Schultern.
„Du Ratte“, murmelte
Alicen.
Axii wischte sich die
schweißnassen Haare aus dem Gesicht.
„Miststück“, sagte
Alicen.
„Hör auf damit“,
sagte Axii.
Alicen sah zu seinem
Freund auf und fing an zu lachen. Und Axii, ob er nun wollte oder
nicht, musste auch lachen.
„Hör zu, die Bilder
kommen nicht ins Netz“, sagte Alicen nach einer Weile. „Los,
gehen wir zurück ins Viertel.“
Alicen kam mit zwei
Pommes-Tellern zurück.
„Die sind mit Gemüse,
das ist gesund, Axii.“
Axii nahm ihm einen
Teller ab. Sie setzten sich an einen Tisch am Straßenrand.
„Mist, diese Fotos
sind verdammt gut. Ich will sie lieber nicht löschen“, sagte
Alicen. Er hatte seine Kamera in den Händen und sah sich die
Aufnahmen auf dem Display an.
„Der Polizist wir dich
schon nicht verfolgen“, sagte Axii.
„Du bist so ein
Volldebiler! Klar, wird er versuchen heraus zu finden wer ich bin.
Knarren sind verboten. Dafür kommt man in den Knast!“
„Dann wird er nach mir
suchen, weil ich die Knarre in der Hand hatte“, entgegnete Axii
ruhig.
„Du bist 12,
Miststück!“
Axii zuckte mit den
Schultern. Alicen warf eine Fritte nach ihm und traff ihn an der
Wange.
„Bastard!“
Axii warf eine von seinen
Fritten nach Alicen, traff aber nicht.
„Dir kann das egal
sein, dir werden sie nichts tun“, zischte Alicen. Er hielt den
Zeigefinger an seine Lippen und sprach leiser. Einige der anderen
Gäste schauten zu ihnen herüber. „Mit 15 kriege ich eine richtige
Strafe!“
„Okay“, sagte Axii.
„Iss deine Pommes und
halt den Mund“, sagte Alicen.
Die Sonne ging unter und
spiegelte sich in den Wolkenkratzern.
Axii und Alicen bogen in
eine Seitenstraße. Auf der anderen Seite kamen sie auf dem Platz der
Radioaktivität heraus. In der Mitte stand ein hoher schwarzer Block
aus Stein.
„Wo warst du
eigentlich in den Winterferien?“, fragte Alicen.
„Wir waren bei meiner
Oma im Outland.“
„Die ganzen Ferien?“
Axii nickte.
„Habt ihr Wein-nachten
gefeiert?“, fragte Alicen weiter.
Axii nickte.
„Ouuuuuh“, machte
Alicen. „Lasst euch ja nicht erwischen.“
„Schon gut“,
murmelte Axii. „Es heißt übrigens Weihnachten und nicht
Wein-nachten.“
„Warum nicht Wein?“
Axii zuckte mit den
Schultern.
„Ich dachte, dass hat
was mit Wein zu tun, warum nicht Wein?“
„Weil nicht.“
Sie betraten ein großes
Gebäude aus der alten Zeit – die Bibliothek. Die Frau an der Theke
grüßte Axii freundlich und Axii lächelte zurück.
„Dein Kätzchen?“,
flüsterte Alicen. Axii antwortete nicht.
Beide stiegen die Treppen
hinauf in den ersten Stock. Durch eine Glastür gelangten sie in den
Musikbereich der Bibliothek. Axii stellte sich an die Wand mit dem
Player und nahm die Kopfhörer vom Hacken. Er schaute in die Kameras.
„Hallo Axii, was
willst du dir anhören?“, fragte der Computer.
Alicen stellte sich an
den Player daneben und setzte seine Kopfhörer auf.
„Atlantic Train“,
sagte Axii, „Urban.“
Elektronische Musik
schallte durch seinen Kopf. Neben ihm tanzte Alicen ein wenig.
„Atlantic Train –
Notre KI.“
Als sie die Bibliothek
verließen war es schon dunkel. Sie gingen über den Platz. Alicen
zeigte auf eine riesige Werbetafel an einem der Türme die in den
Himmel ragten. Sie zeigte kleine Hundebabys die über eine Wiese
rannten. Die beiden fingen an sich zu schubsen, dann rannte Axii vor
Alicen davon und als dieser ihn schnappte jagte Axii ihm hinterher,
weil er nun davon rannte.
Das bunte Licht blendete
wie immer. Axii fragte sich, wie die Menschen schlafen konnten,wenn
es draußen taghell war. Alicen blieb an einem Laden mit Kameras
stehen. Ein Taxi hielt am Straßenrand und eine betrunkene Frau stieg
aus. Sie taumelte und fiel hin. Die beiden fingen an zu lachen –
die Frau fing an zu fluchen und schimpfte sie aus. Sie rannten in
eine Gasse. Über ihnen schwebte ein Werbe-Zeppelin. Alicen sprang in
die Luft und versuchte den Zeppelin zu greifen und Axii sprang auf
eine Mülltonne, um an eine Rettungsleiter zu kommen. Und während er
von der Leiter herunter hing machte Alicen Fotos davon. Der Zeppelin
bewegte sich schwerfällig davon.
Sie traffen auf einige
Leute aus ihrer Klasse. Sie versuchten eine alte Waschmaschine
auseinander zu nehmen. Der eine sprang mit aller Kraft gegen das
Ding, der andere schlug mit einem Besen dagegen und ein anderer hielt
dieses Fest auf seiner Videokamera fest.
„Sperrstunde!“,
schrie ein alter Mann, der zufällig vorbei kam. Sie warfen mit Dosen
nach ihm. Axii und Alicen verschwanden schnell wieder.
Es war kurz vor 20 Uhr.
Axii verabschiedete sich von Alicen. Sie berührten sich mit den
Fingerspitzen – wie beiläufig. Alicen ging davon. Axii klingelte.
„Willkommen zurück,
Axii“, grüßte das Tor und ging auf.
Axii ging über den Rasen
auf das große Haus zu. Drei große Autos standen vor der Eingangtür.
Er blieb stehen und horchte. Langweilige Musik war zu hören und ganz
viel Stimmengewirr.
„Fuck you, fuck –
fuck you, fuck, fuck...“, summte Axii als er weiter ging und dann
im großen Haus verschwand.
Samstag, 24. Mai 2014
DS Einschlag MEZ
Leere Dosen rollten über den Asphalt. Der Wind trieb sie über den Schutt, zwischen eingestürzten Bauten. Hier und dort brannten Feuer. Andernfalls hätte man nur den blechernen Lärm gehört, den die Dosen verursachten. Nicht weit darüber bewegten sich dunkle Rauchwolken alle in eine Richtung, doch stiegen sie von überall her auf. Sie ließen kaum Licht hindurch.
Hannah brachte Gemüse. Sie hatten einen alten Laden gefunden, der stehen geblieben war. Einen alten Mann hatten sie auch gefunden. Früher hatte er das Gemüse verkauft. Nun saß er auf der Bank vor dem Schulgebäude und zählte vielleicht die Steinchen zu seinen Füßen. Manchmal blickte er auf, wenn jemand auf dem Schulhof auftauchte, denn er noch nicht gesehen hatte. Dieses Mal blickte er auf, als ein Soldat mit Gasmaske über den Hof geschritten kam. Er sprach in einer fremden Sprache aber sie alle hatten diese Sprache in den letzten Jahren so oft gehört, dass sie verstanden was er sagte. Der Krieg war zu ende. Aber das war offensichtlich.
Figen baute die Zelte auf, weil sie es am besten konnte. Die Mutter von Hannah kam, um zu helfen, dann wurden beide ins Klassenzimmer gerufen. Eine Regenwolke kam an. Eine viertel Stunde kam der Regen. Die Strahlungswerte stiegen um das 1000fache an. Figen spielte Karten mit den Kindern aus den 5. und 6. Klassen – auch das konnte sie sehr gut. Und die anderen schauten ihr zu oder aus dem Fenster oder einfach nur so dahin.
Paul weinte im Flur. Der alte Gemüseverkäufer streichelte durch sein Haar. Er sagte, dass es nicht schlimmer werden könnte. Der Direktor fragte ihn, ob er ihm helfen könnte. Der Alte nickte. Beide trugen Frau Schmitz ins Krankenzimmer, sie erbrach seit heute morgen. Figen setzte sich neben Paul und legte ihren Arm um seine Schulter.
Zum Abendessen gab es braune Bananen. Innen waren sie noch gut. Wer wollte, konnte auch Gurken haben aber die waren etwas schrumpelig.
Radon sah einen Jungen auf dem Fahrrad ankommen. Vielleicht war das der Bote aus der Apotheke. Er ging ihm entgegen. Der Junge sprang vom Fahrrad und kam zu ihm gelaufen.
„Herr Radon?“
Der Mann nickte. Er nahm dem Jungen die Tüte ab und sah hinein. Zwei kleine Fässer mit Flüssigkeiten.
„Sie heißen doch nicht wirklich Radon, oder?“ Der Junge lachte.
„Wenn ich dieses Medikament entwickelt habe, nenne ich mich Anti-Radon.“
Der Junge lachte noch mehr. Er war vielleicht 16 oder 17 aber nicht größer als 160 cm und ziemlich abgemagert. Eigentlich glich es einem Wunder, dass seine Beine ihn noch trugen.
„Wo lebst du eigentlich?“, fragte Radon.
Der Junge machte einen Wink hinter sich.
„In der alten Gesamtschule.“
Radon nickte.
„Komm morgen vorbei, vielleicht habe ich wieder Arbeit für dich.“
Der Junge salutierte und machte sich davon.
Radon hatte seit dem der Krieg zu ende war ein seltsames Gefühl. Manchmal kam ihm seine Arbeit falsch vor und er konnte sich nicht erklären woher dieser Gedanke kam. Er fragte sich, ob es überhaupt richtig war, die Menschen retten zu wollen. Die Begegnung mit dem Boten auf dem Fahrrad hatte ihn jedoch wieder motiviert – für den Abend zumindest.
Alice legte sich unter einem Haufen Zeitungen schlafen. Nicht weit weg lag ein altes Buswrack auf der Straße. Es bot ihr etwas Schutz vor den Winden und sie konnte nicht so leicht gesehen werden. Schon dreimal geriet sie an die falschen Leute. Sie hatten versucht sie zu vergewaltigen und sie musste einen von ihnen töten. Sie hatte ihm den Hals zerquetscht. Seit sie bei einer Explosion verwundet worden war, hatte ihr rechter Arm ungewöhnliche Kräfte entwickelt. Sie konnte ihre Hand-Prothese so stark zusammenballen, dass sie sich selbst zerstören könnte, wenn sie nicht rechtzeitig locker ließ. Dann kam ihr die Ausbildung im Lager der Rebellen zugute. Leider hatte keiner von ihnen überlebt.
Rena stand an der Zementmischmaschine. Sie bauten die Stadthalle wieder auf. Honda und Georg kletterten auf dem Dach herum. Die beiden machten immer was sie wollten aber manchmal halfen sie auch beim Wiederaufbau der Stadt.
Es wurde spät, die Sonne hatte einen roten Streifen am Horizont hinterlassen. Rena kippte den Zement in die Baukarre. Gina hob den nächsten Sack Zement vom Boden hoch – fast automatisch. Rena schüttelte den Kopf. Für heute reichte es. Klipp kam und nahm die letzte Ladung Zement mit ins Innere der Stadthalle.
„In der Stadt brennt es immer noch“, rief Honda vom Dach.
Rena winkte ab.
Der Soldat nahm seine Gasmaske ab damit er die Gurke essen konnte. Manchmal entschuldigte er sich für etwas, wofür er nichts konnte. Er bedankte sich. Er aß seine Gurke.
In der Ruine des alten Regierungszentrums brannten Lagerfeuer. Frauen und Männer tanzten darum. Musik schallte durch den Raum – Dubstep.
„Schau!“, rief Aki. Sie zeigte in den dunklen Himmel. Da funkelte ein Stern – so groß, wie der Mond.
Hannah stand auf dem Dach der Schule. Figen kam dazu, mit Paul an der Hand. Die Nacht war heller als sie es jemals bei Vollmond gewesen ist.
„Was ist das?“, fragte Hannah.
„Das ist ein Zeichen“, sagte Figen.
Hannah konnte alle Sterne sehen, außer dort, wo der große Stern erschienen war.
Der Stern teilte sich. Winzige Sterne entfernten sich von ihm, wurden aber rasch größer – sie kamen näher und immer näher. Der erste prallte auf die Atmosphäre auf. Die Luftmassen explodierten in alle Richtungen und auch das Licht verwandelte sich in eine gewaltige Explosion – größer, als jede Atombomben-Explosion die die Menschen bis dahin gesehen hatten (und sie hatten einige gesehen). Der Himmel fing Feuer und brannte so gewaltig, wie das Rot der untergehenden Sonne. Dann prallte das nächste Licht auf und durchbrach die Luftmassen. Wie eine Gewehrkugel trieb sie einen Trichter in die Atmosphäre. Wände aus Gas jagten durch Wälder, mähten die Bäume nieder, als wären sie Grashalme und ließen sie in einer Wolke aus Staub und Gestein verschwinden. Und weitere Lichter regneten auf die Erde herab. Sie schlugen in den Boden ein, mit einer Wucht, dass sich ganze Gebirge, ganze Länder und sogar Kontinente bewegten. Der Boden, Gestein, ganze Berge schienen flüssig geworden zu sein und bewegten sich wie eine Welle hunderte Kilometer über das Land und die Meere. Die Einschläge trieben den Staub bis in den Weltraum hoch. Die Druckwellen umrundeten den Erdball, prallten ineinander, verwirbelten und erzeugten Tornados die Seen aussaugen konnten. Gesteinsbrocken von der Erde kehrten auch wieder zur Erde zurück, so zahlreich wie ein Regenschauer.
Zuletzt schlug der große Stern im Meer ein. Die Wellen, die der Einschlag erzeugte, türmten sich höher auf, als die höchsten Berge auf der Welt. Sie hatten den Planeten in kurzer Zeit zweimal überschwemmt.
Die Welt schien überzogen von schwarzen, dichten Wolken und sie brannten.
Sonntag, 4. Mai 2014
Arche 012 in Christchurch - Aten
Christchurch. Reaktor der Fusion. Die Sonne verging am Horizont. Aten.
„Sollten wir einander verlieren, keine Sorge, wir sind im selben Aufzug.“
Aten hörte Rauschen von Stimmen in seiner Welt.
„Aba wir verlierns nicht“, sagte er zu leise, als das sie ihn hören konnten. Er würde selbst darauf Acht geben müssen, dachte er.
„Beeilung, jetzt!“
Es gab keine eigene Beeilung, nur die der Masse. Und sie trieb zu schnell dahin, man konnte keinen eigenen Gedanken fassen. Aten fürchtete überrannt zu werden, die ersten Flecken auf der Haut hatte er mit Sicherheit schon.
„Aten, keine Sorge, gehe mit, gehe mit!“
Seine Hand verlor die Hand seiner Eltern. Sie waren noch kurz zu sehen und dann nicht mehr aber dann noch einmal kurz und dann wieder nicht mehr und sie waren fort.
„Ma!“
Nein, sie waren verschluckt. Er wollte sie erreichen, irgendwo dort waren sie aber er musste mit gehen, er musste mitgehen, weil sonst er verloren war.
„Junge! Steig auf den Karren!“
Ein Mann auf einem Eselkarren. Er hatte eine Glatze und ihm fehlte ein Ohr.
„Junge, steig auf, steig auf!“
Aten kletterte auf den Karren. Hier saßen schon andere. Sie halfen ihm hinauf und machten etwas Platz für ihn und eine alte Frau lächelte zu ihm.
„Habe keine Angst“, sagte sie nur.
„Hab keine Angst“, sagte er zu leise, als das sie ihn hätte hören können.
Die Kuppel der Halle hing über ihnen. Der Esel zog sie durch die Mitte auf das Tor zu. Dahinter sollten die Aufzüge sein, die in den Orbit sie bringen würden.
„Was für ein Ende, was für ein Ende“, schrie jemand und darum deutlich zu hören und weil ganz in der Nähe. Aten blickte sich um.
„Greift die Flucht, Menschen! Eure letzte Chance euch zu verkriechen vor dem Zorn des Alls!“
Das Tor.
„Greift die Flucht, Menschen!“
Das Schreien wurde undeutlich. Aten kniff die Augen zusammen, weil es hell wurde, auch wenn schon der Abend kam. Die Sonne konnte immer heller sein, als jedes Licht auf der Erde. Denn sie hatten die Halle verlassen und das Abendrot stach ihnen in die Augen. Weit draußen auf einem Feld thronten die Aufzüge zu den Sternen auf einer Bühne aus Metall.
„Un scheiß dich nich imma so ein, eh!“
12 Menschen befanden sich auf dem Karren. Alt und Jung. Aten hörte nur Sätze und kannte keinen Zusammenhang.
„Was geschieht nun?“
„Sie werden uns rein lassen, so verstand ich es, als sie mit mir am Haupttor sprachen.“
„Du willst imma was bessres gsagt haben, du Aschfahler!“
„Du glaubst? Oder du weißt? Was meinst?“
„Verstehstu mich? Du muss dich beeilen, verstehstu mich?“
Jemand am Kommunikator am Handgelenk. Ein älterer Mann mit seiner Frau und andere. Menschen hatten zu jeder Zeit viel zu reden aber wenig zu sagen, dachte Aten. Und das hatte mal sein Opa gesagt, als er entschieden hatte nicht mit zu kommen.
„Du könntest noch viel vor dir haben“, sagte er zu Aten, „du musst also besser mit gehen, oder?“
„Yay!“
Die Bühne hatte eine höhere Höhe als es vom Weiten her den Anschein gehabt hatte. Plattformen, so groß wie Stadien, beförderten die Massen hinauf.
„Sicher kann man sich nicht sein, nein, woher auch?“
Menschen redeten.
„Sollten wir einander verlieren, keine Sorge, wir sind im selben Aufzug.“
Aten hörte Rauschen von Stimmen in seiner Welt.
„Aba wir verlierns nicht“, sagte er zu leise, als das sie ihn hören konnten. Er würde selbst darauf Acht geben müssen, dachte er.
„Beeilung, jetzt!“
Es gab keine eigene Beeilung, nur die der Masse. Und sie trieb zu schnell dahin, man konnte keinen eigenen Gedanken fassen. Aten fürchtete überrannt zu werden, die ersten Flecken auf der Haut hatte er mit Sicherheit schon.
„Aten, keine Sorge, gehe mit, gehe mit!“
Seine Hand verlor die Hand seiner Eltern. Sie waren noch kurz zu sehen und dann nicht mehr aber dann noch einmal kurz und dann wieder nicht mehr und sie waren fort.
„Ma!“
Nein, sie waren verschluckt. Er wollte sie erreichen, irgendwo dort waren sie aber er musste mit gehen, er musste mitgehen, weil sonst er verloren war.
„Junge! Steig auf den Karren!“
Ein Mann auf einem Eselkarren. Er hatte eine Glatze und ihm fehlte ein Ohr.
„Junge, steig auf, steig auf!“
Aten kletterte auf den Karren. Hier saßen schon andere. Sie halfen ihm hinauf und machten etwas Platz für ihn und eine alte Frau lächelte zu ihm.
„Habe keine Angst“, sagte sie nur.
„Hab keine Angst“, sagte er zu leise, als das sie ihn hätte hören können.
Die Kuppel der Halle hing über ihnen. Der Esel zog sie durch die Mitte auf das Tor zu. Dahinter sollten die Aufzüge sein, die in den Orbit sie bringen würden.
„Was für ein Ende, was für ein Ende“, schrie jemand und darum deutlich zu hören und weil ganz in der Nähe. Aten blickte sich um.
„Greift die Flucht, Menschen! Eure letzte Chance euch zu verkriechen vor dem Zorn des Alls!“
Das Tor.
„Greift die Flucht, Menschen!“
Das Schreien wurde undeutlich. Aten kniff die Augen zusammen, weil es hell wurde, auch wenn schon der Abend kam. Die Sonne konnte immer heller sein, als jedes Licht auf der Erde. Denn sie hatten die Halle verlassen und das Abendrot stach ihnen in die Augen. Weit draußen auf einem Feld thronten die Aufzüge zu den Sternen auf einer Bühne aus Metall.
„Un scheiß dich nich imma so ein, eh!“
12 Menschen befanden sich auf dem Karren. Alt und Jung. Aten hörte nur Sätze und kannte keinen Zusammenhang.
„Was geschieht nun?“
„Sie werden uns rein lassen, so verstand ich es, als sie mit mir am Haupttor sprachen.“
„Du willst imma was bessres gsagt haben, du Aschfahler!“
„Du glaubst? Oder du weißt? Was meinst?“
„Verstehstu mich? Du muss dich beeilen, verstehstu mich?“
Jemand am Kommunikator am Handgelenk. Ein älterer Mann mit seiner Frau und andere. Menschen hatten zu jeder Zeit viel zu reden aber wenig zu sagen, dachte Aten. Und das hatte mal sein Opa gesagt, als er entschieden hatte nicht mit zu kommen.
„Du könntest noch viel vor dir haben“, sagte er zu Aten, „du musst also besser mit gehen, oder?“
„Yay!“
Die Bühne hatte eine höhere Höhe als es vom Weiten her den Anschein gehabt hatte. Plattformen, so groß wie Stadien, beförderten die Massen hinauf.
„Sicher kann man sich nicht sein, nein, woher auch?“
Menschen redeten.
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