Mittwoch, 30. Juli 2014
Freitag, 25. Juli 2014
Axii – Herbstanfang – Schnelle Entfernung
Axii
warf die leere Schachtel Zigaretten von den Klippen hinunter in die
Brandung. Seine Beine baumelten herunter und ein starker Wind blies
ihm ins Gesicht. Alicen kam aus dem nahen Wald zurück und setzte
sich neben ihn.
„Ich treffe sie morgen Abend. Ich hoffe, es geht alles klar und ich
mache keinen Fehler oder so etwas. Ich muss gelassen bleiben, ich...
naja, mal sehen.“
„Wird schon. Wenn sie das Video gesehen haben, dann wissen sie, was
du dich traust und du hast selbst gesagt, sie hörten sich
beeindruckt an.“
Alicen
grinste.
„Verdammt, verdammt, du hast recht. Die konnten sich ja kaum ein
kriegen während der Videokonferenz. Der eine, ich glaube der
Anführer, er hat immer wieder gesagt, dass es der Wahnsinn war.“
„Wie sind sie denn ansonsten so?“, fragte Axii.
„Also, der Anführer – naja, jedenfalls glaube ich, dass es der
Anführer war – er scheint ziemlich gelassen zu sein für
gewöhnlich. Er hatte eine alte Fallschirmjäger-Uniform getragen und
der Typ neben ihm erschien mir ziemlich verrückt – rotes Haar,
gefärbt, meine ich, und auch sein TsShirt knallrot, wie seine Haare
und beide verstanden sich ohne miteinander sprechen zu müssen,
verstehst du was ich meine? Nur ein Blick und der andere wusste
sofort was Sache war – also, ne, echt gelassen und abgefahren
zugleich.“
Axii
kiecherte.
„Was ist?“, fragte Alicen verdutzt.
„Du bist ja ein richtiger Fan“, sagte Axii grinsend.
Alicen
schüttelte den Kopf und winkte ab.
„Du
hättest sie sehen sollen“, sagte er nur.
Die
Sonne versank im Ozean. Die ersten Sterne erschienen am dunkler
werdenden Himmel. Um die Bucht herum leuchtete die Stadt wie ein
Weihnachtsbaum.
Axii
hatte seltsames geträumt in der letzten Nacht aber er hatte es
wieder vergessen. Es war kein guter Traum gewesen und er versuchte
sich zu erinnern doch es gelang ihm nicht und die Bilder versanken
innerhalb von Sekunden im Nebel.
„Danke“, sagte er, als die Mutter ihm seine Schulbrote auf den
Küchentisch legte.
„Schneid dir die Haare, du siehst aus, wie ein Mädchen.“
Axii
antwortete nicht darauf. Er wusste, dass eine Antwort, egal, wie sie
ausfiel, zu einem breit angelegten Gerede ausarten konnte und er sich
danach wieder ziemlich dumm vorkommen würde, weil die Eltern viel
schlauer waren, als er selbst.
„Er
müsste zum Frisör“, sagte seine Mutter an den Vater gewandt.
Dieser seufzte nur hinter seiner Zeitung.
„Ich bin heute Abend nicht im Haus, bestellt euch etwas, wenn ihr
warm essen wollt heute Abend“, sagte die Mutter. Jetzt legte der
Vater die Zeitung auf den Stuhl nebenan.
„Bist du die ganze Nacht weg?“, fragte er wie nebenbei.
„Ja.“
Der
Vater nickte zweimal.
Axii
und Alicen standen vor dem Schrottplatz im Industriegebiet von
Lalande. Alicen zündete sich eine Zigarette an. Er ließ sich nichts
anmerken aber Axii konnte sich vorstellen, wie aufgeregt er war. Er
rauchte sie Zigarette unterhalb von 5 Minuten.
„Wo
sind sie?“, fragte Axii aber Alicen schüttelte nur den Kopf.
Dann
balancierte jemand über die Mauer, die den Schrottplatz umgab. Er
sprang aus 3 Metern Höhe herunter auf den Boden und dämpfte seinen
Aufprall auf dem Boden indem er sich über seinen Rücken abrollte.
Er kam auf Axii und Alicen zu.
„Tut mir Leid, Alicen aber deine Freundin können wir nicht mit
rein nehmen“, sagte er und nickte zu Axii herüber. Axii erinnerte
sich an die Worte der Mutter und spürte wie er rot wurde.
Der
Jugendliche, der fast schon ein Mann war, achtete aber nicht mehr auf
ihn. Er wandte sich an Alicen und legte ihm seine Hand auf die rechte
Schulter.
„Schön. Du bist nicht allzu groß, das ist gut“, sagte er. Er
selbst schien fast 2 Meter hoch zu sein. Alicen musste zu ihm
aufblicken. „Wir haben unseren Treffpunkt auf dem Schrottplatz in
der Lagerhalle, kommst du?“
Alicen
nickte, drehte sich zu Axii um und zuckte mit den Schultern. Die
beiden gingen davon. Axii sah ihnen zu, wie sie auf die Mauer
kletterten und hinter ihr verschwanden, wobei Alicen sich geschickter
anstellte, wie Axii fand.
Die
beiden hatten eigentlich keine Ahnung, wie das Video von Alicens
Strukturlauf ins Netz gelangte. Das Video wurde beschlagnahmt, als
sie von den Capymännern zur Polizeistation gebracht wurden. Nur die
KI wusste von diesem Video und diese hatten sie auch in Verdacht –
zumindest hatte Alicen sie in Verdacht, Axii war sich nicht sicher,
er konnte sich keinen Grund vorstellen wegen dem die KI so etwas
hätte tun sollen.
„... und die haben dort in fast jedem Raum einen Plasma-TV und
überall Überwachungskameras auf dem Gelände. Verdammt, verdammt,
du hättest dabei sein sollen, Axii, echt!“
Für
Alicen gab es in den Pausen nur das eine Thema und Axii konnte es
bald kaum noch hören aber er freute sich für Alicen. Ja, er war
sogar ziemlich stolz auf seinen Freund, der es geschafft hatte bei
den Wandläufern aufgenommen zu werden und das nach nur einem Video.
Für gewöhnlich nahmen die Wandläufer niemanden auf, so hieß es.
Sie blieben unter sich und tauchten zu verschiedenen Turnieren wie
aus dem Nichts auf, um alle anderen Strukturläufern die Show zu
stehlen.
Nur
dauerte es nicht lange. Einer der Wandläufer ging an die selbe
Schule wie Axii und Alicen und Alicen verbrachte in den Pausen
plötzlich mehr Zeit mit ihm als mit Axii. Eigentlich verbrachte er
nur noch Zeit mit diesem anderen Typen – ja, von einem Tag auf den
anderen.
„Der hat bald keine Lust mehr – er merkt bald, dass du nicht mehr
da bist und dann kommt er wieder“, sagte Fanka.
„Reudiger Hund“, sagte Axii leise.
Fanka
grinste.
„Ja, das ist er.“
Manchmal
kam es vor, dass man die Sonne nicht untergehen sehen konnte, weil
von irgendwo her Wolken den Himmel bedeckten. Und dann gab es Abende,
wie diesen, an dem diese Wolken mit allen Farben des Feuers zu
brennen schienen. Axii nannte sie Herbstwolken aber das hatte er
bisher niemanden erzählt.
Sonntag, 13. Juli 2014
Freitag, 11. Juli 2014
DS AXII 833 - mehr
Axii
schüttelte das Feuerzeug. Es war wohl leer. Der Vater schüttelte
die Zeitung und dann räusperte er sich. Die Mutter korrigierte
Fehler auf ihrem Table.
Alicen
warf seine Zimmertüre hinter sich zu. Es knallte. Seine Mutter blieb
stehen, um ihn vorwurfsvoll anzusehen. Er achtete nicht auf sie und
rannte die Treppe herunter, um sich in der Küche eine Dose aus dem
Kühlschrank zu nehmen.
„Miranda ist leer“, informierte der Kühlschrank.
„Kauf neue“, sagte Alicen.
Sein
Vater kam in die Küche und strich ihm durch sein Haar. Er schlug
seine Hand weg, verließ die Küche wieder und dann die Wohnung.
Axii
stand auf.
„Hast du keinen Hunger?“, fragte die Mutter. Sie hatte ihm Müsli
gemacht, das er nicht angerührt hatte.
„Nein, tut mir Leid.“
Sie
korrigierte weiter Fehler.
„Ich treffe mich mit Alicen.“
Er
blieb eine Weile stehen. Der Vater legte die Zeitung zur Seite. Die
Mutter gähnte. Axii ging aus dem Haus.
Die
Sonne hatte den Asphalt gebacken. Axii konnte ihn an einer Stelle mit
der Schuhspitze verformen. Er entrollte die Hemdärmel, um seine Arme
zu verdecken. Alicen stieg aus dem Bus. Er grinste.
„Der Bus hatte sich verspätet, Maus“, sagte er.
Axii
strich sich die Haare über die Ohren.
„Ist Fanka nicht mit dir gekommen?“, fragte Axii.
Alicen
schüttelte den Kopf.
„Ich glaube, sie hat etwas gegen mich.“
Axii
zuckte mit den Schultern.
„Gehen wir in den Wald?“
Im
Wald war es etwas kühler. Alicens Kommunikator zeigte 38 Grad an.
„Ich hab mich etwas informiert“, erzählte Alicen, „über die
Deutschen.“
„Alicen?“, unterbrach ihn Axii. „Was glaubst du, warum hat Ki
uns geholfen? Warum ausgerechnet uns?“
Beide
setzten sich auf einen umgefallenen Baum.
„Hab ich mich auch schon die ganze Zeit gefragt“, sagte Alicen.
„Ich glaube nicht, dass er meine Kletterkünste beeindruckend fand.
Es steckt etwas anderes dahinter.“
„Könnte doch sein, dass er uns für irgendetwas braucht“, sagte
Axii.
„Wofür?“
Axii
zuckte mit den Schultern.
„Ich habe im Netz nachgesehen, ob so etwas schon einmal vorgekommen
ist“, sagte er.
„Und?“, fragte Alicen.
„Das ist es. Es waren drei Jugendliche in unserem Alter. Sie hatten
etwas mit dem Magierkriegen zu tun und als die Technokraten siegten,
verschwanden die drei Jugendlichen plötzlich.“
Alicen
runzelte die Stirn.
„Axii, Maus – meine Geschichtskenntnisse liegen nicht weit des
absoluten Nullpunkts, ich habe echt keine Ahnung wovon du redest.“
Axii
schüttelte seinen Kopf.
„Ich hatte auch keine Ahnung. Die Magierkriege liegen schon
hunderte von Jahren zurück. Damals gab es zwei Arten von Menschen.
Die Überlebenden und die Auferstandenen oder Verstellten oder die
Magier.“
Alicen
lachte leise.
„Magier?“
Axii
nickte.
„Sie wurden so genannt, weil sie durch ihren Tod und ihre
Wiederauferstehung mit dem Universum halb verbunden waren. Sie hatten
einen unkontrollierten Zugriff auf die Quantenwelt oder so. Sie
brachten Wasser zum kochen indem sie mit der Energie aus der sie
bestanden, die Energie des Wassers steuerten – aber sie steuerten
es nicht wirklich, sie hatten kaum Kontrolle über ihre Kräfte.“
Alicen
schien sich an etwas zu erinnern. Er hob den Finger.
„Ich glaube, ich hatte mal ein Buch gelesen. Es handelte von einem
Volk das unter der Dusonstadt lebte, weil sie von den Menschen auf
der Oberfläche gefürchtet wurden – so, in der Art.“
Sie
schwiegen eine Weile, als müssten sie eine Denkpause einlegen.
„Was hatten die drei Jugendlichen mit der ganzen Sache zu tun?“,
fragte Alicen.
„Ich glaube, zwei von ihnen gehörten zu den Magiern und einer war
ein normaler Mensch und sie waren Freunde. Es heißt, Ki hatte sie
benutzt, um den Krieg zu beenden“, sagte Axii.
„Wieso sind sie danach verschwunden?“
Axii
wusste es nicht.
„Ich weiß nicht, Axii... Es gibt keinen Krieg. Ich wüsste nicht,
wobei wir Ki helfen könnten“, sagte Alicen nach einer Weile. Er
stand auf. „Lass uns nach der Knarre suchen.“
„Wozu?“
„Weil wir nichts zu tun haben.“
Die
Waffe fanden sie nicht.
Die
Sonne versank. Die beiden saßen am Zaun der den Landeplatz
abgrenzte. Auf dem Spielplatz am Waldrand spielten zwei Kinder mit
einem kaputten Plasmaschwert.
„Was ist aus den Dreien geworden?“, fragte Alicen.
Axii
zuckte mit den Schultern.
„Komm schon, Maus, das fragst du dich auch.“
„Hör auf mich Maus zu nennen.“
Alicen
grinste. Er streichelte Axii über den Kopf, wie ein Kind das brav
gewesen war. Axii stieß seine Hand weg und fing an zu lachen.
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