Sonntag, 12. Januar 2014
Donnerstag, 26. Dezember 2013
Stück für Stück
Auf der Party hatten sie sich angefangen die Fingernägel zu schneiden. Was ist schon dabei? Nur zum Spaß, es ist nur heute, weil wegen der Party – Yeah! Und deshalb machte ich mit. Es war toll und die Party war toll. Ich lernte Freunde und traf mich mit ihnen. Wir hatten Pläne, wir studierten und hatten alles in unseren Köpfen, wir wollten Groß sein. Wir trafen uns oft und manchmal schnitten wir uns die Fingernägel – hin und wieder nur – zum entspannen. Es war eine sehr tolle Zeit. Wir machten Geld mit Geschäften auf ebay und mit Menschen auf der Straße und dann kamen die Ferien und meine Freunde machten andere Sachen. Mir war langweilig. Ich brauchte meine Freunde, unsere Pläne, unsere Treffen – sie würden ja bald wieder da sein aber -
ich schnitt mir die Fingernägel und ein Stück von meinen kleinen Finger ab. Wahnsinn! Es war viel besser als nur die Fingernägel zu schneiden. Meine Freunde kamen wieder. Als ich ihnen davon erzählte wandten sich die meisten ab. Nur meine zwei besten Freunde blieben bei mir, um sich ihren kleinen Finger abzuschneiden. Jetzt waren wir nur noch Drei und unzertrennlich, wir hatten alle etwas gemein – wir hatten keinen kleinen Finger mehr. Unsere Pläne wurden größer, wir brauchten mehr Geld. Wir wurden größer, größer als unsere Schule und unser Studium. Wir hatten eine Firma gegründet und unsere Treffen häuften sich nun. Jetzt starteten wir durch und wir schnitten uns die anderen Finger ab – in diesem Moment wuchsen wir zu Riesen, fühlten uns beinahe allmächtig aber noch nicht ganz. Ohne unsere Finger konnten wir nicht mehr bei ebay verkaufen, wir mussten unsere Geschäfte ganz auf die Straße bringen auch wenn es hier schwieriger war Geld zu machen. Doch wir hackten uns die Hände ab, um es allen zu zeigen und es klappte, wir verdienten jede Menge Geld. Es war Sommer und wir lebten ohne Morgen. Manchmal gab es Probleme beim Essen oder beim Zähne putzen – ohne Hände ging das nicht mehr so gut. Wir hackten uns die Zehen ab, wenn es nichts zu tun gab – ließen uns Zahnprothesen machen, die uns beinahe in die Pleite trieben aber das Geld hatten wir schnell wieder rein geholt. Wir mussten nur etwas mehr von uns abschneiden. Einer meiner Freunde saß bald im Rollstuhl... jetzt konnten wir nicht mal unser Geld festhalten. Mein anderer Freund wurde ausgeraubt, weil er sich nicht wehren konnte – er hatte keine Extremitäten mehr. Irgendetwas stimmte nicht mehr. Wir verkauften unsere Organe, um an Geld zu kommen, damit wir uns wieder scharfe Messer kaufen konnten, um noch mehr von uns ab zu schneiden. Wir wurden immer weniger. Und zuletzt konnten wir uns gar nichts mehr selbst abschneiden – wir lagen auf der Intensivstation und wurden am leben erhalten. Ich lag da und versuchte es mir zu erklären – es lief doch alles so gut? Und jetzt bin ich fast nicht mehr da.
ich schnitt mir die Fingernägel und ein Stück von meinen kleinen Finger ab. Wahnsinn! Es war viel besser als nur die Fingernägel zu schneiden. Meine Freunde kamen wieder. Als ich ihnen davon erzählte wandten sich die meisten ab. Nur meine zwei besten Freunde blieben bei mir, um sich ihren kleinen Finger abzuschneiden. Jetzt waren wir nur noch Drei und unzertrennlich, wir hatten alle etwas gemein – wir hatten keinen kleinen Finger mehr. Unsere Pläne wurden größer, wir brauchten mehr Geld. Wir wurden größer, größer als unsere Schule und unser Studium. Wir hatten eine Firma gegründet und unsere Treffen häuften sich nun. Jetzt starteten wir durch und wir schnitten uns die anderen Finger ab – in diesem Moment wuchsen wir zu Riesen, fühlten uns beinahe allmächtig aber noch nicht ganz. Ohne unsere Finger konnten wir nicht mehr bei ebay verkaufen, wir mussten unsere Geschäfte ganz auf die Straße bringen auch wenn es hier schwieriger war Geld zu machen. Doch wir hackten uns die Hände ab, um es allen zu zeigen und es klappte, wir verdienten jede Menge Geld. Es war Sommer und wir lebten ohne Morgen. Manchmal gab es Probleme beim Essen oder beim Zähne putzen – ohne Hände ging das nicht mehr so gut. Wir hackten uns die Zehen ab, wenn es nichts zu tun gab – ließen uns Zahnprothesen machen, die uns beinahe in die Pleite trieben aber das Geld hatten wir schnell wieder rein geholt. Wir mussten nur etwas mehr von uns abschneiden. Einer meiner Freunde saß bald im Rollstuhl... jetzt konnten wir nicht mal unser Geld festhalten. Mein anderer Freund wurde ausgeraubt, weil er sich nicht wehren konnte – er hatte keine Extremitäten mehr. Irgendetwas stimmte nicht mehr. Wir verkauften unsere Organe, um an Geld zu kommen, damit wir uns wieder scharfe Messer kaufen konnten, um noch mehr von uns ab zu schneiden. Wir wurden immer weniger. Und zuletzt konnten wir uns gar nichts mehr selbst abschneiden – wir lagen auf der Intensivstation und wurden am leben erhalten. Ich lag da und versuchte es mir zu erklären – es lief doch alles so gut? Und jetzt bin ich fast nicht mehr da.
Dusonstadt Humbuk
Als ich in die Dusonstadt
kam war ich 14 Jahre alt.
Es war die Stadt der
Welt, die größte, hier lebten fast alle Menschen die auf diesem
Planeten lebten, es waren 160 Millionen auf einer Fläche so groß
wie die Niederlande.
Als ich in die Dusonstadt
kam hingen schwere Wolken über den Kilometer-hohen Wolkenkratzern
und zwischen den Ebenen, den Autobahnen, Magnetbahnen, den
Fußgänger-Linien, zwischen den Gerüsten aus intelligenten Metallen
und den Lichtern, angetrieben von einer Wüste aus Sonnenkraftwerken.
Ich kam in einem
Lieferwagen auf dem Beifahrersitz. Bavor, die andere Stadt oder das
Dorf, eine der Farmen die die Megastadt versorgten, da kam ich her.
Wir kamen durch den Wald, der die Dusonstadt beinahe gänzlich umgab,
wir fuhren auf einer Landstraße.
Man kam an, von einer
Sekunde auf die andere, denn der Wald hörte plötzlich auf und
Vorstadt-Viertel begannen, wie ausgeschnitten und zusammen geklebt,
wie ein Klotz aus Beton den man auf eine Fläche Moos wirft. Und man
konnte nicht wieder zurück obwohl es möglich war. Es hieß die
Stadt unterzog einen einer Gehirnwäsche, machte einen gefügig,
loyal, treu und ehrfürchtig und all so etwas.
Wir hatten sofort ein
Haus. Daneben stand noch eins und danach kamen noch mehr Häuser. Die
Straße nahm nur ein Ende, wenn man ein Auto besaß und fahren
durfte. Wenn man sich Zeit nahm erreichte man irgendwann die
Reihenhäuser und dann die Wohnblöcke und irgendwann auch eine
Station mit der Bahn.
Bevor ich in die
Dusonstadt kam schwor ich mir ihr nicht zu verfallen, mich zur Wehr
zu setzen und nicht so zu werden, wie die Dusoner. Sie hatte mich zu
sich gerufen, ich musste kommen aber das hätte sie nicht tun sollen.
Ich hatte Freunde in Bavor, die mich zurück erwarteten.
Der Sommer war heiß. Es
bedurfte dennoch keiner Vorkehrungen, um in die Sonne gehen zu
können, für den nötigen Schutz vor der Strahlung sorgte die Stadt.
Das war sehr neu für mich, ich traute ihr ja nicht. Schließlich
musste ich das Haus irgendwann doch verlassen und das war vielleicht
mein Glück, je nachdem.
Im Haus auf der anderen
Straßenseite wohnte Jufa. Sie sagte „Hey“ und kam zu mir, als
würden wir uns schon etwas länger kennen.
„Wie heißt du?“,
und so weiter. Wir lernten uns kennen. Wenn ich schon mal hier war,
konnte es nicht schaden sich einige Kontakte zu machen – wer weiß
wozu sie gut waren.
Ihre Eltern arbeiteten an
einem Landeplatz der Feuerwehr. Sie hatte eine Schwester die
psychisch krank war – sie bestand aus mehreren Personen. Ich fand
sie lustig und sie war der erste Mensch der sich nichts aus der
Dusonstadt machte – ich glaube, eigentlich merkte sie gar nicht,
dass sie in der Dusonstadt lebte. Sie und er und er führten einen
Krieg gegen Nachbars Katze.
Jufa erzählte mir oft
von ihrer Schwester und manchmal auch von ihrer Angst vor ihrer
Zukunft. Sie war nicht besonders gut in der Schule, was soviel
bedeutete wie, sie gehörte nicht zur Elite, konnte aber
Computersysteme programmieren, wenn sie sich rein kniete.
Ich war wirklich nicht
gut in der Schule, meine Noten waren tatsächlich miserabel, dafür
war ich aber gut außerhalb der Schule – vielleicht reichte es, um
im Wald zu leben, dachte ich immer. Da lebte ich bereits einige Zeit
in der Dusonstadt.
In der Schule brachten
sie mir alles bei, was ich bisher nicht konnte, selbst wenn ich keine
Lust dazu hatte. Hin und wieder, wenn mir dies mal wieder auffiel,
wurmte es mich ziemlich – es war, als würde die Gehirnwäsche auch
auf mich wirken. Ich hatte Glück, das Jufa mich immer daran
erinnerte, dass ich der Dusonstadt nicht verfallen wollte. Ich hatte
ihr erzählt, dass ich es hier hasste und lieber zu meinen Freunden
zurück wollte – wie waren noch ihre Namen?
Ich musste kämpfen, weil
die Gehirnwäsche langsam wirkte. Nach den Ferien im Januar kam ich
zu spät in die Klasse. Der Lehrer drehte sich zu mir um, er stand am
Holograph, sein Stuhl war unbesetzt, wie passend. Ich nahm seinen
Stuhl und warf ihn durch das Fenster. Er prallte aber ab und knallte
laut zu Boden.
„Was ist los, Horu?“,
fragte der Lehrer. Erst da merkte ich, dass ich ihn gar nicht kannte.
„Hallo“, sagte ich,
„wer sind sie denn?“
Er kam zu mir.
„Gascleaner“,
stellte er sich vor.
Er legte einen Arm um
meine Schulter und führte mich aus der Klasse. Im Flur fing ich an
mich im Kreis zu drehen und ein wenig wie eine Baletttänzerin
auszusehen. Ich entfernte mich von ihm.
„Bleib doch hier“,
rief er mir nach.
Ehe ich auf dem Schulhof
war, hatte ich bereits den Schulpsychologen, eine der Schulärztinnen
und mit Sicherheit und zur Sicherheit auch die Polizei irgendwo im
Hintergrund.
„Horu kannst du uns
mal aufklären“, fragte der Schulpsychologe.
Sie blieben alle sehr
ruhig. Keiner kam mir zu nahe, nicht das sie es nicht versucht hätten
aber als ich weg sprang wie ein erschrockenes Tier blieben sie stehen
und versuchten mich aus der Distanz zu fangen – allein nur mit
ihren Worten.
Egal was sie tun oder
sagen würden, ich würde weiter verrückt spielen.
Aber eine Stunde später
hatte ich einen Tee vor mir stehen und saß im Sekretariat und
wartete, dass meine Oma mich abholte. Sie sagten, ich wäre nicht der
erste, der nicht so sein wollte, wie es die Dusonstadt will. Sie
sagten, dass auch dieses Verhalten die Stadt wiedergibt. Ich sollte
bedenken, dass in dieser Stadt beinahe alle Menschen der Welt lebten
und sie waren alle unterschiedlich und sie alle machten die Stadt aus
und ich sei Teil der Stadt egal wie bekloppt ich mich verhielt –
durch mich war die Stadt zum Teil auch bekloppt. Es gibt keine
Gehirnwäsche. Es gibt nur eine Grenze und wenn man diese
überschreitet ist man die Dusonstadt. Das man nie mehr zurück
kehren kann ist bloß Humbuk – ich kann jederzeit zurück nach
Bavor.
Aber wie hießen meine
Freunde noch?
Donnerstag, 12. Dezember 2013
Sovngarde
Dovahkiin, Dovahkiin, naal ok zin los vahriin, wah dien vokul mahfaeraak
ahst vaal. Ahrk fin norok paal graan fod nust hon zindro zaan,
Dovahkiin, fah hin kogaan mu draal.
Huzrah nu, Kul do od, wah aan bok lingrah vod, aahrk fin tey, boziik fun, do fin gein. Wo lost fron wah ney dov, ahrk fin reyliik do jul, voth aan suleyk wah ronit faal krein. Ahrk fin zul, rok drey kod, nau tol morokei frod, rul lot Taazokaan motaad voth kein. Sharot Thu'um, med aan tuz, vey zeim hokoron pa, ol fin Dovahkiin komeyt ok rein.
Ahrk fin Kel lost prodah, do ved viing ko fin krah, tol fod zeymah win kein meyz fundien. Alduin, feyn do jun, kruziik vokun staadnau, voth aan boahlok wah diivon fin lein.
Nuz aan sul, fent alok, fod finvul dovah nok, fen kos nahlot mafaeraak ahrk ruz. Paaz Keizaal fen kos stin nol bein Alduin jot, Dovahkiin kos fin saviik do muz.
Dovahkiin, Dovahkiin, naal ok zin los vahriin, wah dein vokul mahfaeraak ahst vaal. Ahrk fin norok paal graan fod nust hon zindro zaan, Dovahkiin, fah hin kogaan mu draal.
Huzrah nu, Kul do od, wah aan bok lingrah vod, aahrk fin tey, boziik fun, do fin gein. Wo lost fron wah ney dov, ahrk fin reyliik do jul, voth aan suleyk wah ronit faal krein. Ahrk fin zul, rok drey kod, nau tol morokei frod, rul lot Taazokaan motaad voth kein. Sharot Thu'um, med aan tuz, vey zeim hokoron pa, ol fin Dovahkiin komeyt ok rein.
Ahrk fin Kel lost prodah, do ved viing ko fin krah, tol fod zeymah win kein meyz fundien. Alduin, feyn do jun, kruziik vokun staadnau, voth aan boahlok wah diivon fin lein.
Nuz aan sul, fent alok, fod finvul dovah nok, fen kos nahlot mafaeraak ahrk ruz. Paaz Keizaal fen kos stin nol bein Alduin jot, Dovahkiin kos fin saviik do muz.
Dovahkiin, Dovahkiin, naal ok zin los vahriin, wah dein vokul mahfaeraak ahst vaal. Ahrk fin norok paal graan fod nust hon zindro zaan, Dovahkiin, fah hin kogaan mu draal.
Sonntag, 1. Dezember 2013
Requiem For A Dream - Totenmesse für einen Traum
Bild aus dem Film "Requiem For A Dream"
Musik: "Mubanga Dubstep Remix"
cara hat lust kitkat zu töten
Cara und
Vierundzwanzig-Null-Eins saßen auf dem Stuhl vor dem Fenster. Es
stand weit geöffnet.
Der Vollmond sah heute
Nacht aus wie mit Kakao übergossen. Hinter dem Landeplatz bewegte
sich der Wald auf sie zu aber er kam niemals an. Während er einen
Schritt auf sie zumachte, machte er einen Schritt von ihnen weg und
immer wieder wiederholte es sich und so wippte er hin und her, hin
und her. Und vierundzwanzig-Null-Eins wurde nervös, es langweilte
ihn, er fühlte sich eingesperrt und das nicht nur in einem Zimmer.
Cara wippte mit den Bäumen, um ihr klopfendes Herz zu beruhigen –
was würde Zehn-Städte jetzt tun?
Das Mädchen stand
plötzlich auf, die kühle Luft weckte sie mit einem Mal. Zehn-Städte
kam nicht. Vierundzwanzig-Null-Eins entfuhr ein langer Schrei, wie
der einer Eule. Er lachte, als er den Hall hörte und das Gefühl das
man hat, wenn man laut schreit.
„Ich will raus, Cara,
ich will raus, ich will raus, ich will raus, ja?“
Cara schüttelte den
Kopf.
„Nein.“
Vierundzwanzig-Null-Eins
verlor sein Lächeln. Seine Miene verfinsterte sich. Er fing an
schnell und übertrieben zu atmen an.
„Hör auf“, zischte
Cara ausser Puste.
Er wirbelte herum und
sprang vom Stuhl weg.
„Ich will raus, Cara,
Cara, ich will raus, raus und du fick dich!“
Cara setzte sich auf den
Stuhl. Sie hatte Tränen in ihren Augen.
„Das sollst du nicht
sagen“, weinte sie.
Vierundzwanzig-Null-Eins
sprang vom Stuhl auf und kletterte auf die Fensterbank. Er blutete
wieder aus den Augen. Das Blut lief heiß über sein Gesicht.
„Ich will raus, Cara.“
Cara lies sich vorsichtig
vom Fenstersims zu Boden fallen. Jetzt war sie schon im Garten.
Vielleicht, wenn sie nur kurz mit ihm weg gehen würde, nur für
kurz, dann würde es niemand merken und dann würde sie wieder zurück
sein und er wäre abgekühlt.
„Cara, ich hasse
Menschen, lass uns ein Tier töten, lass uns... ein Tier töten!“
Cara legte ihren Finger
auf die Lippen.
„Du musst leise sein.“
Er nickte aufgeregt. Er
nahm sie am Handgelenk und zog sie auf die Rollbahn. Sie lief zum
Hangar und verschwand dahinter. Dort war ein Loch im Zaun.
„Ich will eine Katze
töten, Cara.“
„Ja.“
Sie folgte eilig einem
sandigen Weg in Richtung Stadt.
Als die ersten
Straßenlaternen auftauchten verschwand sie zwischen den Büschen.
Hier hatte sie einmal oft gespielt, deshalb gab es jetzt einen Tunnel
durch das Buschwerk bis zum Nachbarn. Dort lebte eine Katze. Kitkat.
Und sie aß gerne Kitkat.
„Miau“, sagte sie.
Sie kannte nur dieses eine Wort. Aber Vierundzwanzig-Null-Eins hatte
sie schon vor langer Zeit durchschaut. Sie spionierte manchmal im
Garten seiner Eltern oder lief provokant über die Landebahn, wenn
gerade jemand um Starterlaubnis bat.
„Ich schneide ihr den
Schwanz ab, Cara, Cara lass mich den Schwanz abschneiden, ich will...
ihr den Schwanz abschneiden.“
Cara nickte und schlich
näher heran. Kitkat blickte kurz in ihre Richtung dann spazierte sie
einfach weiter. Cara hatte eine Idee.
„Komm“, rief sie,
„komm her.“
Kitkat musterte sie noch
einmal kurz, hatte aber kein Interesse zu kommen und
Vierundzwanzig-Null-Eins wurde ungeduldig.
„Dreckiges Stück!“
Kitkat zuckte zusammen.
Vorwurfsvoll blickte sie Cara an.
„Miau?“
„Komm zu mir, Kitkat –
hör auf Vierundzwanzig-Null-Eins!“
Das Licht im Haus des
Nachbarn ging an und sogleich wurde auch die Gartentür geöffnet.
Der große Mann, der Nachbar stand im Eingang.
„Cara?“, fragte er
verblüfft.
Vierundzwanzig-Null-Eins
sprang ihn an.
„Hit!“
Seine Krallen gruben tief
in seine Wange, wie mit einer Tigerpranke zog er mit seiner Hand
durch das Gesicht des großen Mannes. Und noch bevor dieser überhaupt
ein Ton von sich geben konnte, hatte er ihm auch schon seine andere
Wange zerkratzt. Und beinahe im selben Moment landete er zurück auf
den Boden und Cara sah das Blut in dem freundlichen Gesicht und
erinnerte sich daran, dass der Nachbar beim letzten Grillfest am
Flugplatz gewesen war und dann rannte sie so schnell sie konnte.
Die Blätter und Äste
peitschten ihr durchs Gesicht. Vierundzwanzig-Null-Eins heulte laut
wie ein Werwoölf aber sie konnte ihn nicht mehr sehen. Sie hörte
noch das Stöhnen des Nachbarn und sah wie er seine Hand hob um sich
im Gesicht anzufassen in ihrem Kopf. Sie fing an zu weinen – laut
und irre weil sie keine Ahnung hatte was sie tun sollte. Sie traute
sich nicht einmal zurück nach Hause. Sie rannte so lange, bis sie
den Wald erreicht hatte.
„Cara?“
Cara rannte auf den
Jungen im Arztkittel zu und umarmte ihn. Eigentlich fiel sie in ihn
hinein oder ließ sich einfach fallen und er fing sie auf. Und sie
weinte weiter.
„Zehn-Städte“,
schluchzte sie. „Vierundzwanzig-Null-Eins – er- … er hat den
großen Mann angegriffen und hat ihn mit seinen Krallen verletzt.“
Zehn-Städte streichelte
ihr Gesicht.
„Ist schon gut. Hör
auf zu weinen, ich kann dir helfen, dass weißt du doch.“
Zehn-Städte nahm ihre
Hand.
„Zuerst gehen wir nach
Hause“, sagte er. „Dann wecken wir meine Eltern und erzählen
ihnen was beim Nachbarn passiert ist – nicht mehr und nicht
weniger.“
Cara schüttelte den Kopf
und machte einen Schritt von Zehn-Städte weg.
„Nein, sie werden
denken, dass ich wieder krank bin.“
Der Junge im Arztkittel
blieb ruhig und schüttelte den Kopf.
„Warte, Cara.
Erinnerst du dich, was der Arzt gesagt hatte? Dr. Johannson?“
Cara zuckte mit den
Schultern, aber es fiel ihr langsam wieder ein.
„Es kann Rückschläge
geben, deshalb auch diese Medikamente. Im Großen und Ganzem aber,
wird Cara ein relativ normales Leben führen können. Erinnerst du
dich?“
Zehn-Städte reichte ihr
seine Hand und umschloss ihre. Zusammen gingen sie zurück zum
Landeplatz und kletterten durch das Fenster zurück in Caras Zimmer.
Vierundzwanzig-Null-Eins war nicht da.
„Bist du bereit?“,
fragte Zehn-Städte.
Cara nickte. Sie ging in
den Flur und klopfte an die Zimmertüren ihrer Eltern.
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